2. Überblick über die SIP-Funktionalität (Overview of SIP Functionality)
2 Überblick über die SIP-Funktionalität (Overview of SIP Functionality)
SIP ist ein Steuerungsprotokoll der Anwendungsebene, das in der Lage ist, Multimediasessions (Konferenzen) wie Internet-Telefonieanrufe zu etablieren, zu ändern und zu beenden. SIP kann auch Teilnehmer zu bestehenden Konferenzen einladen, die bereits Multicast verwenden. Medien können einer bestehenden Session hinzugefügt (und davon entfernt) werden. SIP unterstützt transparent Namensabbildung und Umleitungsdienste, wodurch persönliche Mobilität [27] ermöglicht wird. Das heißt, ein Benutzer kann einen einzigen, von außen sichtbaren Bezeichner beibehalten, unabhängig von seinem Standort im Netz.
SIP unterstützt die folgenden fünf Aspekte beim Aufbau und der Beendigung von Multimediakommunikation:
User location (Benutzerstandort): Bestimmung der für die Kommunikation zu verwendenden Endsysteme;
User availability (Benutzerverfügbarkeit): Bestimmung des Willens des Gerufenen, zu kommunizieren;
User capabilities (Benutzerfähigkeiten): Bestimmung der zu verwendenden Medien und Medienparameter;
Session setup (Session-Aufbau): "Klingeln (ringing)", Aufbau der Sitzungsparameter beider Seiten, Anrufer und Gerufener;
Session management (Sitzungsverwaltung): Transfer und Beendigung der Sitzung, Änderung der Sitzungsparameter und Aufruf von Diensten.
SIP ist kein vertikal integriertes Kommunikationssystem. SIP ist eine Komponente, die mit anderen IETF-Protokollen verwendet werden kann, um eine vollständige Multimedia-Architektur aufzubauen. Typischerweise umfasst eine solche Architektur Protokolle wie das Real-time Transport Protocol (RTP) (RFC 1889 [28]) zur Bereitstellung von Echtzeitdatenübertragung und QoS-Feedback, das Real-Time Streaming Protocol (RTSP) (RFC 2326 [29]) zur Steuerung der Streaming-Medienbereitstellung, das Media Gateway Control Protocol (MEGACO) (RFC 3015 [30]) zur Steuerung von Gateways zum öffentlichen Telefonnetz (Public Switched Telephone Network, PSTN), und das Session Description Protocol (SDP) (RFC 2327 [1]) zur Beschreibung von Multimediasessions. Daher muss SIP in Verbindung mit anderen Protokollen verwendet werden, um dem Benutzer einen vollständigen Dienst bereitzustellen. Jedoch hängen sein grundlegendes Funktionieren und Verhalten von keinem dieser Protokolle ab.
SIP stellt keine Dienste bereit; stattdessen stellt es Primitiven bereit, die zur Implementierung verschiedener Dienste verwendet werden können. Beispielsweise kann SIP einen Benutzer identifizieren und ihm ein opakes Objekt an seinen aktuellen Standort liefern. Durch Verwendung dieser Primitve zur Lieferung einer von SDP beschriebenen Sitzungsbeschreibung können die Endpunkte die Sitzungsparameter vereinbaren. Durch Verwendung derselben Primitve zur Lieferung eines Fotos des Anrufers zusammen mit einer Sitzungsbeschreibung kann ein "Caller-ID"-Dienst leicht implementiert werden. Wie dieses Beispiel zeigt, wird eine einzelne Primitve normalerweise verwendet, um mehrere verschiedene Dienste bereitzustellen.
SIP bietet keine Konferenzsteuerungsdienste wie Sprechrechtssteuerung (floor control) oder Abstimmung (voting) und legt nicht fest, wie eine Konferenz verwaltet werden soll. SIP kann verwendet werden, um eine Session zu starten, die andere Konferenzsteuerungsprotokolle verwendet. Die SIP-Nachrichten und die von ihnen etablierte Session können sehr unterschiedliche Netze durchqueren, sodass SIP keine Netzwerkressourcenreservierungsfunktion bereitstellen kann und auch nicht bereitstellt.
Angesichts der Art der bereitgestellten Dienste ist Sicherheit besonders wichtig. Daher bietet SIP einen Satz von Sicherheitsdiensten, einschließlich Schutz vor Denial-of-Service, Authentifizierung (user-to-user und proxy-to-user), Integritätsschutz sowie Verschlüsselungs- und Privatsphärediensten.
SIP funktioniert sowohl mit IPv4 als auch mit IPv6.