1. Einleitung
[RFC 2460] definiert einen IPv6-Erweiterungsheader namens „Routing Header“, der durch den Wert 43 für Next Header im unmittelbar vorangehenden Header identifiziert wird. Außerdem wird ein bestimmter Routing-Header-Untertyp namens „Type 0“ definiert. Routing Headers des Typs 0 werden in diesem Dokument als „RH0“ bezeichnet.
Ein einzelner RH0 kann mehrere Adressen von Zwischenknoten enthalten; dieselbe Adresse kann mehrmals in demselben RH0 enthalten sein. Dadurch lässt sich ein Paket konstruieren, das viele Male zwischen zwei RH0-verarbeitenden Hosts oder Routern pendelt. Ein entfernter Angreifer kann damit den IPv6-Source-Routing-Mechanismus verwenden, um Verkehr über einen entfernten Pfad zu verstärken und möglicherweise erheblichen Denial-of-Service-Verkehr zu erzeugen. Mit dieser Technik wurde eine Verstärkung von bis zu 88-fach demonstriert [CanSecWest07].
Dieser Angriff ist besonders schwerwiegend, weil er den gesamten Pfad zwischen den beiden Knoten betrifft, nicht nur die beiden Knoten selbst oder deren lokale Netze. Eine ähnliche Funktion existiert in der IPv4-Quellrouting-Option, aber die Missbrauchsmöglichkeiten sind bei RH0 größer, da in jedem Paket wesentlich mehr Zwischenknotenadressen angegeben werden können.
Die Schwere dieses Angriffs und die Leichtigkeit, mit der er durchgeführt werden kann, machen es erforderlich, RH0 vollständig als veraltet einzustufen. Ein Nebeneffekt ist die Beseitigung der harmlosen Anwendungsfälle von RH0; solche Anwendungen können jedoch durch künftige Routing-Header-Spezifikationen ermöglicht werden.
Die potenziellen Probleme von RH0 wurden bereits 2001 identifiziert [Security]. 2002 wurde ein Vorschlag gemacht, um die Verarbeitung des Routing-Headers auf Hosts zu beschränken [Hosts]. Diese Bemühungen führten dazu, dass die Mobile-IPv6-Spezifikation geändert wurde, um den Routing-Header vom Typ 2 anstelle von RH0 zu verwenden [RFC3775]. Vishwas Manral wies 2006 verschiedene Risiken im Zusammenhang mit RH0 hin, einschließlich des Verstärkungsangriffs; einige dieser Schwachstellen (sowie weitere Probleme) wurden anschließend in [RFC4942] dokumentiert.
Ein Vortrag über die operativen Sicherheitsimplikationen von RH0 wurde von Philippe Biondi und Arnaud Ebalard auf der CanSecWest-Konferenz 2007 in Vancouver präsentiert [CanSecWest07]. Diese Präsentation führte zu einer weiten Bekanntheit der mit RH0 verbundenen Risiken.
Dieses Dokument aktualisiert [RFC 2460], [RFC 4294] und [RFC 3775] entsprechend.